Schamhaarentfernung im mittelalterlichen Abendland

Zur Geschichte der Schamhaarentfernung

Mit der Ausbildung eines mittelalterlichen Stadtwesens, dem Aufstieg des Bürgertums und der Rückkehr der Kreuzritter im 12./13. Jahrhundert gelangte auch die Badekultur zurück nach Europa. Das gemeinsame Baden von Männern und Frauen war verbreitet, sehr zum Ärger der Kirche. Außer einer etwaigen Kopfbedeckung hatte man grundsätzlich nichts an.

Frauen aus gehobeneren Schichten entfernten oft ihr Schamhaar, um sich wirklich hüllenlos zeigen zu können. Die einfachen Bürgermädchen und -frauen folgten ihrem Beispiel, so dass die Haarentfernung die Regel wurde. Da insbesondere in der Buchmalerei ausschließlich Darstellungen von nackten Personen ohne Schamhaar überliefert sind, ist die Praxis der Intimrasur für das Mittelalter gesichert.

Lucas Cranach d. Ä.: Drei Grazien (um 1530)

Abbildung: Lucas Cranach d. Ä.: Drei Grazien (um 1530)

Unter anderm ist auch eine Reliefdarstellung einer Frau beim Schneiden der Schambehaarung mit einer Schere überliefert (Körperbehaarung im Mittelalter, mit Darstellung einer mittelalterlichen Relief-Plastik zum Thema).

Die angewandten Mittel zur Haarentfernung waren jedoch oftmals mehr als fragwürdig. Mitunter griffen sie die Haut an oder hinterließen hässliche Narben. Man verwendete unter anderem auch eingedickten Sirup mit Terpentinzusatz. Die Ausbreitung der Pest und der Dreißigjährige Krieg führten schließlich zu massenhaften Schließungen der Bäder, da diese als Orte der Ansteckung galten. Dadurch gab es keinen ausgleichenden Gegensatz mehr zu dem negativen christlichen Verständnis des nackten menschlichen Körpers.

Dies führte mehr und mehr zu einer Tabuisierung des nackten Körpers, was mit den bekannten Geruchsproblemen einhergeht. Berühmt sind die Darstellungen in asiatischen (und späteren amerikanischen) Erzählungen und Schriften, die die Begnung mit europäischen Reisenden beschreiben, wie z.B. Marco Polo oder literarisch bei James Clavell (Tai Pan, Shogun). Hierzu mehr unter Nacktheit.