Hypertrichose

Syn. Hypertrichosis, Ambras Syndrome, ›Werewolf Syndrome‹ - ICD-10 L68

Als Hypertrichose oder Hypertrichosis (zu gr. ὑπέρ, "über", und θρίξ, "Haar") bezeichnet man das Symptom einer über das übliche Maß an geschlechtsspezifischer Behaarung hinausgehende Haardichte bzw. eine Behaarung an sonst stets unbehaarten Stellen. Die Hypertrichose ist nach ICD-10 als als Krankheit der Hautanhangsgebilde klassifiziert (L68 - Hypertrichose).

Die Hypertrichose kann lokal begrenzt an einzelnen Stellen auftreten (beispielsweise als behaarter Nävus pilosus [Tierfellnävus]) oder den gesamten Körper mit Ausnahme der Fußsohlen und Handflächen betreffen. Letzteres kann als angeborenes Syndrom bei Fortbestehen der fetalen Lanugohaare auftreten (Hypertrichosis congenita lanuginosa, Hypertrichosis universalis congenita) und bietet dann das medizinhistorische Bild der sogenannten „Wolfsmenschen“.

Von der Hypertrichose sind alle Formen der hormonell bedingten Änderungen des geschlechtsspezifischen Behaarungstypes abzugrenzen, die bei der Frau als Hirsutismus bezeichnet werden.

Geschichte

In früheren Jahrhunderten waren sogenannte Haarmenschen in vielen Fällen der Schaulust ihrer Umgebung ausgesetzt; sie nutzten ihre körperliche Besonderheit teils aber auch, mehr oder weniger freiwillig, als Quelle ihres Lebensunterhaltes 1.

In der Renaissance lebten Haarmenschen an den königlichen Höfen Frankreichs, Italiens und der Niederlande, wo sie unterrichtet wurden und als menschliche Kuriositäten Teil des Hofstaates waren 2.

Bekannt in der Überlieferung wurden zum Beispiel Petrus Gonsalvus und seine Tochter Tognina Gonsalvus (16. Jahrhundert). Einige berühmte Haarmenschen arbeiteten als "Freaks" auf den Jahrmärkten und Side Shows des 19. Jahrhunderts, wie etwa Julia Pastrana (1834–1860) und Lionel der Löwenmensch (1890–1932) 3.

Der Mythos des Werwolfs hängt möglicherweise auch mit dieser Erkrankung zusammen.

  • 1. Roberto Zapperi: Der wilde Mann von Teneriffa. Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzalez und seiner Kinder. München, C.H. Beck 2004
  • 2. Kunsthistorisches Museum Wien, Geschichte des Haarmenschen Petrus Gonsalvus, http://www.khm.at/system2.html?/static/page381.html
  • 3. Leslie Fiedler: Freaks. Myths and Images of the Secret Self. New York 1978

Siehe auch